Heilbronn
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Tweetup #IMT14 im Museum Heilbronn

Alltagsarchäologische Analogobjekte

Eine künstlerische Intervention von Matthias Schamp
in der archäologischen Sammlung der Städtischen Museen Heilbronn

Museum im Deutschhof

Museum im Deutschhof

Tweetup am Internationalen Museumstag 2014 #IMT14 im Museum im Deutschof Heilbronn:
Vortrag und Führung mit dem Künstler Matthias Schamp am 18. Mai 2014, 15 bis 16 Uhr,
Anmeldung über Twitter @schroederkatrin oder per E-Mail an christina.jacob@stadt-heilbronn.de

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung? Eine Ausstellung in der Ausstellung. Und eine Suche.

Der Bochumer Künstler Matthias Schamp hat allerlei rätselhafte Gegenstände zwischen die archäologischen Ausstellungsexponate eingebracht. Er bezeichnet sie als alltagsarchäologische Analogobjekte. Hierbei handelt es sich um seine ganz persönlichen Ausgrabungen, die er auf Flohmärkten und in Trödelläden, einem Kaugummiautomaten, in den Wohnungen und Kellern seiner Freunde und an vergleichbaren Orten getätigt hat. Manches hat er auch einfach auf der Straße aufgelesen.

Die Objekte sind nicht zufällig gewählt. Und auch die Positionen, die sie nun innerhalb oder außerhalb der Vitrinen einnehmen, folgen sorgfältigen Arrangements. So soll jedes alltagsarchäologische Analogobjekt im Zusammenspiel mit seinem Drumherum – d. h. den „regulären“ Ausstellungsstücken – eine „poetische Erzählung“ starten, die der Künstler gewissermaßen seinen Objekten „abgelauscht“ hat. Mal harmonieren sie mit den archäologischen Funden, mal kontrastieren sie diese in einer verblüffenden Weise. Die Risse in der Wahrnehmung, die sie dabei erzeugen, sind kalkuliert. Durch sie eröffnen sich neue Sichtweisen für die Besucher – nicht nur auf die Exponate der archäologischen Sammlung, sondern auch auf die Art und Weise ihrer Präsentation.

Feuerwehrauto-Zwischenraumverfüllung

Feuerwehrauto-Zwischenraumverfüllung

Die Stationen, die sich durch die künstlerischen Interventionen ergeben, heißen z. B. Schattenlasso, Steuerungselement einer Zeitmaschine, Feuerwehrauto-Zwischenraumverfüllung, totes-Socke oder Das ultrasemiotische Mauseloch. In ihrer Gesamtheit ergeben sie eine Art Pfad. Dieser schlägt zugleich auch einen gedanklichen Bogen, zu dessen Unterstützung zudem auch ein vom Künstler gestaltetes Begleitheft herangezogen werden kann. Diese gedankliche Verbindungslinie berührt viele Bereiche, die auch in der allgemeinen Archäologie eine Rolle spielen: Erinnern und Vergessen, Zusammenfügen und Verstreuen, Ordnungen, Schichten und die alles bewegende Frage, wie sich anhand von wenigen Überbleibseln und Spuren etwas Gewesenes in seiner Komplexität erfassen lässt.

IAusstellung im Museum im Deutschhof

Ausstellung im Museum im Deutschhof

Ein jeder ist herzlich eingeladen, diesen Gedankenpfad zu betreten. Weil einige seiner Stationen sehr unscheinbar oder versteckt sind, ist die Angelegenheit auch eine Suche. Aber es gibt dabei eine Menge zu entdecken. Und nicht nur alltagsarchäologische Analogobjekte. Denn auch die „regulären“ Sammlungsstücke brennen darauf, mit anderen Augen angeschaut zu werden, und dadurch eine neuartige Aktualisierung zu erfahren.

Und so passt die Ausstellung und die Führung mit dem Künstler Matthias Schamp hervorragend zum Thema des diesjährigen Museumstages:
Sammeln verbindet – museum collections make connections! #myCollection14
Der Künstler wird über die Entstehung des Projektes berichten und dem Publikum seine “den Dingen abgelauschten poetischen Erzählungen” näher bringen.

Das vom Künstler gestaltete Begleitheft zur Ausstellung (3 Euro) ist ein Leitfaden durch die Ausstellung in der Ausstellung und eine wunderbare Dokumentation zur archäologischen Sammlung der Städtischen Museen Heilbronn.

Begleitheft zur Ausstellung

Begleitheft zur Ausstellung


Der Bochumer Künstler Matthias Schamp, Jahrgang 1964, ist in Heilbronn kein Unbekannter.  Mit Installationen und Performances ist er seit 1995 regelmäßig bei Neue Kunst im Hagenbucher zu Gast. Die Vernetzung von Kunst und Wissenschaft und die Wahrnehmungsschärfung für Alltagsdinge ist künstlerisches Prinzip von Matthias Schamp. So gründete er 1997 in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum Münster den Mythos-Grill. Das Unternehmen ist Pommesbude und alltagsarchäologische Spielstätte zugleich und floriert seither mit temporären Filialen in Museen und Kunstinstitutionen im In- und Ausland (zuletzt 2013 im Kunstmuseum Ahlen sowie auf Einladung des litauischen Goethe-Instituts in Vilnius). In Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie im Museum Folkwang Essen widmete er sich 2002 im Rahmen von Private Öffentlichkeit den in Essener Bussen und Bahnen vergessenen Gegenständen (objets perdus – Einstiegsluken in eine Topologie der verlustig gegangenen Dinge). Er hatte Lehraufträge u. a. an der Bauhaus-Universität Weimar und an der TU Berlin und veröffentlichte zahlreiche Bücher. 2007 produzierte der WDR sein Hörspiel Der Aufstand in den Sinnscheiße-Bergwerken, das seitdem mehrfach ausgestrahlt wurde.

Mehr Infos: www.der-schamp.de

Text von Matthias Schamp/Dr. Christina Jacob, Städtische Museen Heilbronn // Archäologie
Bilder für den Blogbeitrag von Katrin Schröder

Kategorie: Heilbronn

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Nach meinem Abitur und einjährigem Auslandsaufenthalt in den USA, ging es zum Studieren der Kultur- sowie Betriebswirtschaft an die Universität Passau.Während meines Studiums absolvierte ich verschiedene Auslandsaufenthalte und Praktika. Von 2006 bis 2009 ging es für mich dann in den Norden. Ich wurde im Bereich des Organisationsbüros sowie der Öffentlichkeitsarbeit am Theaterschiff Bremen und seinen drei angegliederten Theatern engagiert. Zudem arbeitete ich im Projektmanagement für verschiedene Kulturveranstaltungen. Seit 2010 bin ich mit dem Schwerpunkt Marketing/Grafik/Social Media in der Öffentlichkeitsarbeit des Theaters Heilbronn tätig.

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