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#AMH_Mythos – Wo alles begann. Hamburg Geschichte neu entdeckt.

Tweetup im Archäologische Museum Hamburg

2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen: neu in Hamburg und gleich mal über die Geschichte informiert und das gemacht, was ich am liebsten mache: kulturell unterwegs und getwittert. Am 09. Februar lud das Archäologische Museum Hamburg* mit dem Tweetup #AMH_Mythos in seine Ausstellung “Mythos Hammaburg – Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs” ein. Mit Smartphone bewaffnet, versammelten sich ungefähr 10 mythologisch-museal interessierte Twitterer gegen 20 Uhr in der Helms Lounge des Museums. Bevor es ans twittern ging zwitscherten wir erst einmal alle zur Begrüßung ein Glas Sekt und lernten Sammlungsleiter Dr. Michael Merkel sowie dem Kurator Ingo Petri kennen. Nach einem kurzen Who Is Who in der Runde, ging es für ca. eine Stunde durch die Ausstellung, welche die früheste Stadtgeschichte Hamburgs vom 8. bis 12. Jahrhundert sehr umfassend darstellt. Kurator Ingo Petri erzählte über sein Forschungsfeld und durch seine leidenschaftliche und interessante Erzählweise wurde ich sofort zu seinem Follower. Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, kann sich unter „Mythos Hammaburg – Tweetup im Archäologischen Museum Hamburg“ einen ersten Eindruck verschaffen, denn die Führung ist online als Podcast anzuhören.
Ebenso hat Bloggerin @kurzundknapp mit „Wo alles begann … Mythos Hammaburg“ einen Beitrag zur Ausstellungseröffnung verfasst. Und auch der eigens vom Museum erstellte Blog „Mythos Hammaburg“ gibt zahlreiche Hintergrundinformationen preis. Es sei an dieser Stelle nur verraten, dass sich ein Besuch der Ausstellung lohnt! Und einige Geschichtsbücher Hamburgs müssen wohl durch wissenschaftliche Neuerkenntnisse umgeschrieben werden. Aber lasst euch einfach selbst überraschen! Die Ausstellung geht noch bis zum 26. April 2015.
Da während des Tweetup fotografieren erlaubt war, gibt es hier ein paar visuelle Eindrücke:

[tribulant_slideshow post_id=“511″]

Als ich unter den knapp 10 Twitterer gerade zum Thema Bischof Ansgar einen Tweet absetzte, habe ich mich gefragt, ob das Format des Museum Tweetup für das AMH als Vermittlungs- oder auch Marketingkonzept Potenzial hat.

Der Tweetup zum „Mythos Hammaburg“ hat sich inhaltlich gut in die 40. St.-Ansgar-Woche, die zum Gedenken an den 1150ten Todestag des Heiligen Ansgars vom 02.02. bis zum 10.02. gefeiert wurde, eingebettet. Außerdem erlebt das AMH derzeit durch seine Funde der „Neuen Burg“ am Hopfenmarkt in der Hamburger Neustadt ein großes Medienecho in Print, Radio und Fernsehen. Das Timing dieser online Aktion war daher sehr gut gewählt.

Museen sind heutzutage darauf angewiesen ihre Besucher zielgerichtet anzusprechen, Neugierde zu wecken, sie zu informieren und zum Besuch ihres Hauses zu bewegen. Hierbei ist es fraglich, ob die klassischen Medien im digitalen Zeitalter noch ausreichen, um seine Zielgruppe zu erreichen. Immer mehr Menschen bewegen sich ganz selbstverständlich im Netz, besorgen sich dort ihre Informationen und tauschen sich aus. Hierbei können besondere Events, wie beispielsweise ein Tweetup (aber auch Twittersalons, Bloggerreisen, Blogparaden, Selfie-Aktionen), ein fester Bestandteil der Marketingstrategie einer Kultureinrichtung sein.
Aber Achtung: Die sozialen Medien sind keine Wunderwaffe, um plötzlich die so sehnlich herbeigewünschte „junge Zielgruppe“ zu erreichen und ins Museum zu locken. Denn Twitter beispielsweise ist nur ein Medium, um Informationen in Echtzeit zu streuen, sich mit Kulturinteressierten auszutauschen. Wenn aber die getwitterten Inhalte junge Leute nicht ansprechen, werden sie auch weiterhin nicht ins Museum kommen.

Sammlungsleiter und stellvertretender Direktor Dr. Michael Merkel ist neben seinen vielfältigen Tätigkeiten am AMH für den digitalen Auftritt des Museum (sprich Facebook, Twitter, Googleplus, Blog, Website, App) zuständig. Die Idee zum Tweetup brachte er vor Kurzem von einer Tagung mit.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es eine große Herausforderung ist, sich mit einem noch relativ jungen Twitter Account auf dieses neue Format einzulassen. Aber man spürt die Lust im Team sich dieser Herausforderung zu stellen und den eigenen Twitter-Account @HelmsArch immer mehr etablieren zu wollen.
Das Konzept des Tweetup war vom AMH durchdacht. Ein Highlight war die Exklusivität an einem geschlossenen Montagabend eine freie Führung mit Getränken und Nachgespräch anzubieten. Die Twitterer erhielten einen ganz besonderen Blick hinter die Kulissen des Museums und es bot sich eine ganz neue Möglichkeit miteinander in Kontakt zu treten, sich kennenzulernen und auszutauschen. Denn ein Tweetup stellt ein besonderes Erlebnis für die Teilnehmer da, welche das Gesehene und Gehörte in nur 140 Zeichen mit Gleichgesinnten teilen. Die Teilnahme beschränkt sich dabei nicht nur auf die lokalen Teilnehmer, sondern auch online folgen Interessierte dem Nachrichtenstrom. Die Mitglieder dieser Community sind zumeist treue Follower einer Kultureinrichtung und können als wichtige Multiplikatoren agieren. Daher sollten Kulturinstitutionen diese online Community pflegen, sie aktiv einbinden und ausbauen. Social Media Events können außerdem dazu beitragen Schwellenängste gegenüber Kultureinrichtungen abzubauen, Kunst transparenter und somit greifbarer zu machen.

Während der Führung mit freien WLAN und Fotografiererlaubnis wurde der Twitteraccount des Museums teilweise dazu genutzt, Hintergrundinformationen zu geben, auf virtuelle Fragen einzugehen und interessante Tweets zu retweeten und zu favorisieren. Eine Moderation ist sinnvoll, da es für die Teilnehmer ein enormes Multitasking erfordert, das Erlebte in 140 Zeichen an die eigenen Timeline weiterzugeben. So wird sichergestellt, dass alle relevanten Informationen ins Netz getragen werden.

Insgesamt wurden an dem Abend einige Hundert Tweets mit dem Hashtag #AMH_Mythos verschickt. Das AMH war es also durchaus gelungen einen Teil seiner Community zu diesem Live-Event zu aktivieren. Und das ist für das erste Mal wirklich beachtlich. Möglicherweise hätte man noch weitere externe Twitterer einbinden können, beispielsweise Experten auf dem Gebiet der Geschichte Hamburgs (Wissenschaftler, Kuratoren, das Bistum), um eine höhere Reichweite sowie Mehrwert zu generieren.

Der Tweetup #AMH_Mythos erhielt außerdem zahlreiche Vorankündigungen in den Printmedien. Die Verbindung von klassischen (Radio, Print) und den neuen Medien ist richtig und wichtig, um mehr Aufmerksamkeit für die Aktion und die Ausstellung zu erhalten. Außerdem hat der #AMH_Mythos durch einen kurzen Nachbericht auf dem Blog des Museums sowie ein storify, welche alle Tweets noch einmal zusammentrug, weitere Nachhaltigkeit erlangen können. Vielleicht hätte man bereits im Vorfeld noch mehr über die Inhalte der bevorstehenden Ausstellung mit Fotos, Videos, Interviews und informativen Links twittern können. Denn digitale Maßnahmen vor und nach dem Event tragen ebenfalls dazu bei dieses länger in der Öffentlichkeit präsent zu halten.

Ich hätte mir zur Abrundung des Tweetups noch eine Twitterwall gewünscht, auf der auch Nichttwitterer die Tweets hätten gleichzeitig mitlesen können. Und durch die Einladung von Bloggern, hätten diese noch im Nachgang über die Aktion berichtet können.

Auch wenn sicherlich noch, das eine oder andere Feintuning im digitalen Auftritt des AMH gemacht werden kann (hier spielt sicherlich wie in vielen Kulturinstitutionen das fehlende Personal und Gelder in diesem Bereich eine Rolle), so finde ich es großartig, dass das AMH diesen mutigen Weg im Bereich des Social Web geht, ausprobiert und neue Ideen umsetzt. Denn bisher ist die Anzahl der Kultureinrichtungen immer noch überschaubar, wenn es darum geht sich auf neue virtuelle Formate einzulassen oder diese sogar weiter auszubauen. Und dabei liegt doch gerade im Netz auch für Kultureinrichtungen ein großes zukunftsträchtiges Potenzial. Wie spannend wäre es, die digitalen Medien in den künstlerischen Prozess direkt einfließen zu lassen und neuartige Projekte entstehen zu lassen.
Ich kann mich nur bedanken, für diesen wunderbaren, abgerundeten und informativen Abend. Dank dem Tweetup hat das Museum auf jeden Fall eine neue Besucherin gewonnen, die gern wiederkommt und gespannt verfolgt wohin die digitale Reise des AMH noch gehen wird!

*im weiteren Text mit AMH abgekürzt

Die Tweets von #AMH_Mythos wurden im Storify gesammelt und können dort nachgelesen werden:

Kategorie: Mitgemacht

von

Nach meinem Abitur und einjährigem Auslandsaufenthalt in den USA, ging es zum Studieren der Kultur- sowie Betriebswirtschaft an die Universität Passau.Während meines Studiums absolvierte ich verschiedene Auslandsaufenthalte und Praktika. Von 2006 bis 2009 ging es für mich dann in den Norden. Ich wurde im Bereich des Organisationsbüros sowie der Öffentlichkeitsarbeit am Theaterschiff Bremen und seinen drei angegliederten Theatern engagiert. Zudem arbeitete ich im Projektmanagement für verschiedene Kulturveranstaltungen. Seit 2010 bin ich mit dem Schwerpunkt Marketing/Grafik/Social Media in der Öffentlichkeitsarbeit des Theaters Heilbronn tätig.

4 Kommentare

  1. Liebe Katrin,
    das hört sich nach einer gelungenen Aktion an – vor allem, wenn man auch noch die klassische Presse motivieren kann! Du hast völlig recht mit der Einschätzung, dass solche Veranstaltungen als eine Möglichkeit der Aktivierung einer Community gesehen werden müssen. Die nebulösen „jungen Leute“ spricht man damit sicher nicht an. Aber es zeigt eben, dass das Museum ein Ort ist, an dem der digitale Wandel erkannt wurde.
    Auch wenn ich zunehmend die Begleitung einer Führung als überholtes Format für einen Tweetup sehe (schnelles Mitschreiben dessen, was oft in einem Monolog vorgeragen wird) – die Möglichkeit, im digitalen Raum über die Inhalte des Museums zu kommunizieren, ist nach wie vor ein wichtiger Aspekt!
    Das AMH nehme ich zumindest auf Twitter auch deutlich wahr! Der Tweetup war allerdings irgendwie an mir vorüber gerauscht. Man kriegt eben doch nicht alles mit.
    Umso toller, dass ich deinen Beitrag lesen konnte, der mir einen Einblick in das Gewesene gibt.
    Herzliche Grüße
    Anke

    • Liebe Anke,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar! Wie schön, dass Du durch meinen Beitrag noch einmal einen Einblick in den Tweetup #AMH_Mythos erhalten hast. Ich sehe die Führung als Tweetup-Format als gutes Event für den Social-Media Einstieg einer Kulturinstitution. Ich hoffe aber auch, dass sich hier weitere neue Formate entwickeln. Optimal wäre die Kunstvermittlung durch interaktive digitale Projekte. In meinen Augen ist z.B. derzeit das Städel Museum ein #BestPractice für einen gelungen Social-Media Auftritt (Tweetup, Bloggertreffen, Blogkapern, Digitorial etc.), aber diese Kapazitäten in der Öffentlichkeitsarbeit kann sich leider nicht jedes Museum leisten.
      Ich bin sehr gespannt, was im digitalen Bereich der Kultureinrichtungen in den nächsten Jahren noch passieren wird. Nachholbedarf ist ja leider da.
      Viele Grüße aus Hamburg
      Katrin

  2. Das ist ein super ausführlicher Artikel, der noch dazu den Blick über die eigentliche Aktion hinaus wagt. Sehr spannend zu lesen! So ist z.B. eine twitterwall eine wirklich gute Idee! Das könnte in der Tat Attraktivität und Reichweite vergrössern. Es soll ja auch interessierte und aufgeschlossene Nicht-Twitterer geben.
    Auf jeden Fall eine sehr gelungene Aktion, die sowohl auf das Museum wie auch auf die übergeordneten Fragen der Wirkung der sog. social media neugierig macht.
    Herzliche Grüße,
    Christian

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